Mindestens 79 indigene DemonstrantInnen in Polizei- und Militärgewahrsam
Mindestens 169 verletzte indigene DemonstrantInnen
Eine Vielzahl von DemonstrantInnen aus indigenen Gemeinden am Amazonas wurden inhaftiert und mindestens 169 verletzt, nachdem eine Demonstration in der Stadt Bagua im Departement Amazonas gewaltsam aufgelöst wurde. Die Regierung hat bisher keine genauen Angaben zu den Verletzen und Inhaftierten gemacht.
BewohnerInnen indigener Gemeinden hatten Mitte April 2009 begonnen, gegen eine Reihe von Erlassen zu protestieren, die die Nutzung von Land und Bodenschätzen im Amazonasurwald betreffen. Indigene Gemeinden sind bezüglich dieser Erlasse nicht konsultiert worden, obwohl Peru die Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) ratifiziert hat. Diese Konvention verpflichtet die Regierung, die indigene Bevölkerung bei jeder Entscheidung und jedem Gesetzesentwurf zu konsultieren, die ihre Interessen betreffen. Als Reaktion auf die Proteste verhängte die Regierung am 9. Mai den Ausnahmezustand über die betroffene Region für einen Zeitraum von 60 Tagen.
Nachdem die Proteste 50 Tage angedauert hatten, ging die Nationalpolizei am 5. Juni gewaltsam gegen indigene DemonstrantInnen vor, die die Zufahrtsstraße nach Bagua blockiert hatten. Im Laufe dieser Aktion wurden mindestens neun indigene DemonstrantInnen und 24 Polizisten getötet. Es wurden mindestens 200 Personen verletzt, unter ihnen 31 Polizisten. Es wird befürchtet, dass die Zahl der getöteten DemonstrantInnen in Wirklichkeit noch höher ist. Laut Quellen vor Ort erhalten einige der verletzten DemonstrantInnen keine angemessene medizinische Versorgung, da die dortigen Gesundheitszentren nur unzureichend ausgerüstet sind.
Das Büro der Ombudsperson hat bestätigt, dass sich 79 DemonstrantInnen in Polizei- und Militärgewahrsam befinden. Es ist allerdings unklar, wie sie behandelt werden, wie die Anklage lautet und ob ihnen Zugang zu medizinischer Versorgung und rechtlichem Beistand gewährt wird.
Amnesty International liegen Berichte über exzessive Gewaltanwendung der peruanischen Polizei sowie über Fälle von Entführungen und Tötungen von Polizisten durch BewohnerInnen indigener Gemeinden vor.
Gegen mehrere führende Mitglieder indigener Organisationen, die mit den Protesten in Verbindung gebracht werden, wurde Anklage wegen Aufruhrs und Verschwörung zur Störung der öffentlichen Ordnung erhoben. Unter Ihnen befindet sich auch Alberto Pizango Chota, Präsident der Indigenenorganisation "Asociación Interétnica de Desarollo de la Selva Peruana" (AIDESEP). Am 6. Juni stellten die Behörden einen Haftbefehl gegen ihn aus und fügten neue Anklagepunkte hinzu, unter anderem Mord (homicidio calificado), Angriff auf die Streitkräfte und illegaler Waffenbesitz. Diese Anklagepunkte können mit bis zu 35 Jahren Haft bestraft werden. Berichten zufolge hat Alberto Pizango am 8. Juni Zuflucht in der nicaraguanischen Botschaft in Lima gefunden.
In einer Rede vom 8. Juni brachte Präsident Alan Garcia indigene DemonstrantInnen mit der bewaffneten Oppositionsgruppe "Sendero Luminoso" (Leuchtender Pfad) in Verbindung und beschuldigte sie terroristischer Handlungen.
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