Ägypten: Hassen El Sayed wegen Filmrolle inhaftiert
Der ägyptische Staatsbürger Hassan El Sayed (undatiertes Foto)
© Privat
Der in Dänemark lebende Ägypter Hassan El Sayed wurde am 20. Dezember 2025 bei seiner Ankunft auf dem internationalen Flughafen Kairo festgenommen. Beamt*innen der Nationalen Sicherheitsbehörde befragten ihn zu seiner Rolle in dem Film The Eagles of the Republic, in dem er ganz kurz als Priester auftritt. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft und es wird wegen des Vorwurfs der "Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung" gegen ihn ermittelt.
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Appell an
Public Prosecutor
Mohamed Shawky Ayyad
Office of the Public Prosecutor
Madinat al-Rehab
Cairo
ÄGYPTEN
Sende eine Kopie an
Botschaft der Arabischen Republik Ägypten
S.E. Herrn Dr. Mohamed Abdelsattar Mohamed Elbadri
Stauffenbergstraße 6-7
10785 Berlin
Fax: 030-477 1049
E-Mail: embassy@egyptian-embassy.de oder
secretariat@egyptian-embassy.de
Amnesty fordert:
- Ich fordere Sie dringend auf, dafür zu sorgen, dass Hassan El Sayed unverzüglich und bedingungslos freigelassen wird und alle Anklagen gegen ihn fallen gelassen werden, da er nur wegen der friedlichen Ausübung seiner Menschenrechte inhaftiert ist.
- Ich dringe außerdem darauf, dafür zu sorgen, dass er zu seiner Familie nach Dänemark zurückkehren kann.
- Bis zu seiner Freilassung muss er unter Bedingungen festgehalten werden, die den internationalen Standards für die Behandlung von Gefangenen entsprechen, und er muss Zugang zu einer angemessenen medizinischen Versorgung sowie zu seiner Familie und seinen Anwält*innen haben.
Sachlage
Es besteht große Sorge über die Festnahme und willkürliche Inhaftierung von Hassan El Sayed seit dem 20. Dezember 2025. Hassan El Sayed war mit seiner 15-jährigen Tochter auf dem Weg von Dänemark nach Ägypten, um dort Urlaub zu machen. Nach seiner Festnahme befragten ihn die Sicherheitskräfte zu seinem Auftritt in dem Film Eagles of the Republic, der im Mai 2025 während der Filmfestspiele von Cannes Premiere feierte. Der Film wurde in Ägypten wegen seiner Kritik am politischen System nie gezeigt. Hassan El Sayed hat einen zwanzigsekündigen Auftritt in dem Film als koptischer christlicher Priester.
Nach seiner Festnahme war er vom 20. bis 25. Dezember fünf Tage lang Opfer des Verschwindenlassens. Während dieser Zeit hatte seine Familie keine Informationen über sein Schicksal oder seinen Verbleib. Wie sich später herausstellte, brachten ihn die Sicherheitskräfte am 22. Dezember zur Staatsanwaltschaft der Staatssicherheit (SSSP), wo er von einem Staatsanwalt in Abwesenheit eines Rechtsbeistands verhört wurde. Seit seiner Festnahme musste Hassan El Sayed sieben Mal in Online-Anhörungen, die nur wenige Minuten dauerten, vor dem SSSP erscheinen. Bei einer dieser Anhörungen fragte ihn der Staatsanwalt, warum er einen Bart trage, was Hassan El Sayed als Vorwurf der Zugehörigkeit zur Muslimbruderschaft interpretierte. Er erklärte, dass er damit eine Narbe von einer Halsoperation verdecke und fragte, wie dies auf eine Verbindung zur Muslimbruderschaft hindeuten könne. Der Staatsanwalt befragte Hassan El Sayed außerdem bei zwei verschiedenen Gelegenheiten zu seinem kurzen Auftritt in dem Film The Eagles of the Republic. Er befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft (Fall Nr. 4529), die von der SSSP bereits verlängert wurde. Gegen ihn wird wegen des unbegründeten Vorwurfs des "Beitritts zu einer terroristischen Vereinigung in Kenntnis ihrer Ziele" ermittelt, was mit einer Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren geahndet werden kann.
Hassan El Sayed befindet sich derzeit im 10. Ramadan-Gefängnis in Haft. Seinem Rechtsbeistand ist es untersagt, ihn zu besuchen, und er kann nur bei Online-Anhörungen mit ihm kommunizieren. Hassan El Sayeds Familie besuchte ihn zuletzt am 14. März und sagte, dass er zwar körperlich stabil sei, seine psychische Gesundheit aber durch die Inhaftierung stark beeinträchtigt wäre. Während der ersten 15 Tage im 10. Ramadan-Gefängnis wurde er in Isolationshaft gehalten, ohne Zugang zu seinem Rechtsbeistand und seiner Familie. Er hat große Angst, dass er für eine Nebenrolle in einem Film jahrelang ins Gefängnis kommen könnte.
Hintergrundinformation
Hassan El Sayed ist ein 60-jähriger ägyptischer Staatsbürger mit Wohnsitz in Dänemark. Er wohnt seit fast 40 Jahren in Dänemark und hat eine Frau und zwei Kinder, die alle die dänische Staatsbürgerschaft besitzen. Vor seiner Festnahme arbeitete er als Hausverwalter in Kopenhagen. Davor arbeitete er fast zwanzig Jahre lang für die Bibliothek von Nørrebro, die zu den öffentlichen Bibliotheken von Kopenhagen gehört. Vor seiner Festnahme am 20. Dezember 2025 war Hassan El Sayed unbehelligt nach Ägypten gereist.
Seinen Verwandten zufolge spielt Hassan El Sayed als Hobby gerne in Filmen mit. Er spielte kleine Rollen in einigen dänischen Filmen sowie in dem Film Boy from Heaven von demselben Regisseur wie Eagles of the Republic. Der Film Eagles of the Republic ist ein Politthriller, der die staatliche Propaganda persifliert und die autoritären Praktiken in Ägypten, einschließlich der Rolle des Militärs, darstellt. Keiner der Filme der Kairo-Trilogie des Regisseurs Tarik Saleh, The Nile Hilton Incident, Boy from Heaven und Eagles of the Republic, wurde in Ägypten kommerziell gezeigt. Amnesty International liegen keine offiziellen Erklärungen vor, die die Zensur der Filme bestätigen, aber Medienberichte deuten darauf hin, dass die Filme in Ägypten keine Vorführlizenzen erhalten. In der Praxis wird politisch sensiblen Filmen von der dem Kulturministerium unterstellten Allgemeinen Behörde für die Zensur von Kunstwerken die Vorführgenehmigung verweigert.
Nach Angaben der Familie von Hassan El Sayed hat er keine politische oder sonstige aktivistische Vergangenheit. Seine Familie wies darauf hin, dass er, als er zustimmte, in dem Film Eagles of the Republic mitzuwirken, weder Zugang zum vollständigen Drehbuch noch einen Überblick über die Handlung des Films hatte. Seine Beteiligung beschränkte sich ausschließlich auf die ihm zugewiesenen Zeilen in der kurzen Szene, in der er auftrat.
Hassan El Sayed befindet sich derzeit im 10. Ramadan-Gefängnis in Haft. Amnesty International hat die grausamen und unmenschlichen Haftbedingungen im Gefängnis des 10. Ramadan dokumentiert (Abteilung 6). Nach Angaben von Anwält*innen und Angehörigen wird allen Gefangenen das Sonnenlicht vorenthalten, und sie dürfen sich nur in geschlossenen Räumen bewegen. Auf der Grundlage von Recherchen in 16 ägyptischen Gefängnissen hat Amnesty International festgestellt, dass Gefängnisbeamt*innen in Ägypten gewaltlose politische Gefangene und andere aus politischen Gründen Inhaftierte menschenunwürdigen Haftbedingungen aussetzen. Um Andersdenkende zu bestrafen, setzen sie Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung ein oder verweigern ihnen absichtlich die medizinische Versorgung.