Tunesien: 4 willkürlich Inhaftierte freigelassen

Diese Urgent Action ist beendet

Die tunesischen Behörden haben Sherifa Riahi, Mohamed Joo und einen dritten Mitarbeiter von Terre d'Asile Tunisie sowie die ehemalige stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Sousse, Imen Ouardani, freigelassen. Ein Gericht in Tunis hatte die Vollstreckung ihrer Reststrafe ausgesetzt. Die vier waren 20 Monate willkürlich wegen ihrer Menschenrechtsarbeit inhaftiert. Sie hatten Geflüchtete, Asylsuchende und Migrant*innen unterstützt. 

Hintergrund: Ballons steigen in den Himmel, Vordergrund: Schriftzug "Erfolg!"

Vielen Dank allen, die sich an dieser Urgent Action beteiligt haben!

Sachlage

Mitten in der Nacht ließen die tunesischen Behörden am 5. Januar 2026 Sherifa Riahi, Mohamed Joo, eine weitere Person und Imen Ouardani frei, nachdem ein Gericht die vollständige Vollstreckung einer zweijährigen Haftstrafe ausgesetzt hatte. Sie waren im Zusammenhang mit ihren Aktivitäten zur Unterstützung von Geflüchteten und Migrant*innen als Mitarbeiter*innen des tunesischen Zweigs der französischen NGO Terre d'Asile festgenommen und strafrechtlich verfolgt worden. Ihre Festnahme war Teil eines breiteren Vorgehens der tunesischen Regierung gegen Flüchtlings- und Menschenrechtsorganisationen.

Die Behörden nahmen die vier Betroffenen im Zusammenhang mit ihren legitimen menschenrechtlichen Aktivitäten fest und ermittelten gegen sie. Während ihrer Inhaftierung und des Prozesses äußerte Amnesty International die Befürchtung, dass die Strafverfolgung unbegründet war und einen Angriff auf Menschenrechtsverteidiger*innen und Akteure der Zivilgesellschaft darstellte, die Migrant*innen, Geflüchtete und Asylsuchende unterstützen.

Amnesty International forderte die tunesischen Behörden auf, die Inhaftierten sofort und bedingungslos freizulassen, alle Anklagen gegen sie fallen zu lassen und die Kriminalisierung von humanitärer und Menschenrechtsarbeit zu beenden. Über das Urgent-Action-Netzwerk wurden Unterstützer*innen in aller Welt mobilisiert, um Druck auf die Behörden auszuüben und auf die Risiken hinzuweisen, denen sich die in Tunesien tätigen Organisationen der Zivilgesellschaft gegenübersehen.

Die Freilassung von Sherifa Riahi, Mohamed Joo, einer weiteren Person und Imen Ouardani ist zwar eine begrüßenswerte Entwicklung, doch ihre Verurteilungen wurden nicht aufgehoben, obwohl sie ausschließlich auf ihrer friedlichen und rechtmäßigen Arbeit beruhen. Der Fall veranschaulicht die anhaltende Schikanierung und Kriminalisierung von Akteur*innen der Zivilgesellschaft, die sich in Tunesien für Migration und Menschenrechte einsetzen.

Weitere Aktionen sind derzeit nicht erforderlich. Vielen Dank allen, die sich für die Freilassung der vier Personen eingesetzt haben.