Sektion der Bundesrepublik Deutschland

Urgent Action

Gewaltlose politische Gefangene

  • Mexiko
UA-314/2008
Index:
AMR 41/059/2008
14. November 2008

Mitglieder der Indigenenorganisation Me'phaa (OPIM):
Herr RAÚL HERNÁNDEZ
Herr MANUEL CRUZ
Herr ORLANDO MANZANAREZ
Herr NATALIO ORTEGA
Herr ROMUALDO SANTIAGO
zehn weitere OPIM-Mitglieder

Bereits am 17. April 2008 wurden fünf Mitglieder der Organisation des Indigenenvolkes Me'phaa (Organización del Pueblo Indígena Me'phaa - OPIM) festgenommen und unter Mordanklage gestellt. Sie sollen am 1. Januar 2008 im Dorf El Camalote im Bundesstaat Guerrero einen Mann namens Alejandro Feliciano García getötet haben. Amnesty International betrachtet die fünf Aktivisten, die für die Rechte der indigenen Bevölkerung Mexikos eintreten, als gewaltlose politische Gefangene und geht davon aus, dass die Anklagen gegen sie politische Gründe haben.

Raúl Hernández wird vorgeworfen, die Schüsse auf das Opfer abgegeben zu haben. Manuel Cruz, Orlando Manzanarez, Natalio Ortega und Romualdo Santiago werden beschuldigt, zu dem Verbrechen angestiftet zu haben, da sie angeblich an einem OPIM-Treffen am Tag nach dem Verbrechen teilgenommen haben.

Am 20. Oktober 2008 entschied der Richter eines Bundesgerichts auf eine Eingabe ("amparo") hin, dass die vorgelegten Beweise vier der angeklagten Männer nicht belasten und ordnete daraufhin die Freilassung von Manuel Cruz, Orlando Manzanarez, Natalio Ortega und Romualdo Santiago an. Die vier wurden jedoch nicht aus der Haft entlassen, da die Bundesstaatsanwaltschaft (PGR) Rechtsmittel gegen die Entscheidung einlegte, obwohl sie dem Anschein nach nichts mit dem Fall zu tun hat und auch keine neuen Beweise beibrachte. Vier unschuldige Männer befinden sich dadurch weiterhin in Haft.

Für Raúl Hernández erließ der Bundesrichter keine einstweilige Verfügung auf Freilassung, da zwei angebliche AugenzeugInnen angegeben hatten, er sei anwesend gewesen, als auf das Opfer geschossen wurde. Aussagen von AugenzeugInnen, denen zufolge Raúl Hernández zur Zeit des Mordes nicht anwesend war, wurde keine Beachtung geschenkt.

Im Zusammenhang mit dem Mord wurden Haftbefehle gegen zehn weitere OPIM-Mitglieder erlassen. Die zehn Personen wurden jedoch nicht festgenommen, was Anlass zu der Befürchtung gibt, dass die Behörden die ersten fünf OPIM-Mitglieder festnahmen, derer sie habhaft werden konnten.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Die Organisation des Indigenenvolkes Me'phaa (Organización del Pueblo Indígena Me'phaa - OPIM) wurde 2002 gegründet, um die Rechte der indigenen Me'phaas (Tlapanecas) in Mexiko zu schützen und zu fördern.

OPIM-Mitglieder sind bei einer Reihe von Menschenrechtsverletzungen für Gerechtigkeit eingetreten, so zum Beispiel nach der Vergewaltigung von Inés Fernández Ortega und Valentina Rosendo Cantú durch Angehörige des Militärs und der Zwangssterilisation von 14 indigenen Männern im Jahr 1998.

Mitglieder der OPIM werden systematisch schikaniert und eingeschüchtert. Man hat sie bei zahlreichen Gelegenheiten angegriffen und bedroht. Amnesty International hat die Angriffe und Drohungen dokumentiert, die einige ihrer Mitglieder erlitten haben, darunter auch die Fälle von Inés Fernández und Fortunato Prisciliano (siehe UA-033/2008, 3. Februar 2003, und UA-209/2007, 14. August 2007) sowie von Obtilia Eugenio Manuel (UA-007/2005, 12. Januar 2005). Für weitere Informationen siehe auch den Amnesty-Kampagnenbericht: Promoting Indigenous Rights in Mexico: Me'phaa Indigenous People's Organization (AMR 41/040/2008, Oktober 2008).

EMPFOHLENE AKTIONEN

SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE, IN DENEN SIE

  • die Behörden auffordern, die fünf Mitglieder der OPIM umgehend und bedingungslos freizulassen;
  • fordern, dass die gegen zehn weitere OPIM-Mitglieder für dasselbe Verbrechen erlassenen Haftbefehle aufgehoben werden;
  • bei den Behörden darauf dringen, dass eine umfassende und unparteiische Untersuchung des Mordes an Alejandro Feliciano García durchgeführt wird, mit dem Ziel, die Verantwortlichen für seinen Tod vor Gericht zu stellen;
  • die Behörden daran erinnern, dass die UN-Erklärung zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern das Recht von MenschenrechtlerInnen anerkennt, ihre Tätigkeit ohne Angst vor Einschränkungen oder Repressalien ausüben zu können.

APPELLE AN

GENERALSTAATSANWALT
Lic. Eduardo Medina-Mora Icaza
Procurador General de la República
Procuraduría General de la República
Av. Paseo de la Reforma nº 211-213, Piso 16
Col. Cuauhtémoc, Delegación Cuauhtémoc
México D.F., C.P. 06500, MEXIKO
(korrekte Anrede: Señor Procurador General / Dear Attorney General)
Fax: (00 52) 55 53 46 09 08

GOUVERNEUR VON GUERRERO
Lic. Zeferino Torreblanca Galindo
Gobernador del Estado de Guerrero
Palacio de Gobierno, Edificio Centro, piso 2,
Ciudad de los Servicios,
C.P. 39075 Chilpancingo, Guerrero, MEXIKO
(korrekte Anrede: Señor Gobernador / Dear Governor)
Fax: (0052) 747 471 9956
E-Mail: gobernador@guerrero.gob.mx

STAATSANWALT VON GUERRERO
Lic. Eduardo Murueta Urrutia
Procurador del Estado de Guerrero
Carretera Nacional México-Acapulco Km. 6+300
Tramo Chilpancingo-Petaquillos
Chilpancingo 39090, Guerrero, MEXIKO
(korrekte Anrede: Dear Attorney / Señor Procurador)
Fax: (0052) 747 472 2328
E-Mail: cprocurador@pgjgro.gob.mx

PRÄSIDENT DER MENSCHENRECHTSKOMMISSION VON GUERRERO
Lic. Juan Alarcón Hernández
Presidente de la Comisión de Defensa de los Derechos Humanos del Estado de Guerrero (Coddehum)
Avda. Juárez, Esq. Galo Soberón y Parra
Col. Centro, 39000, Chilpancingo, Guerrero, MEXIKO
(korrekte Anrede: Dear President/ Señor Presidente)
Fax: (0052) 747 471 2190
(Wenn jemand abhebt, sagen Sie bitte: "me da tono de fax, por favor")
E-Mail: coddehum@prodigy.net.mx

KOPIEN AN
MENSCHENRECHTSORGANISATION
Centro de Derechos Humanos
Miguel Agustín Pro Juárez,
Serapio Rendón No.57/B, Col. San Rafael,
C.P. 06470 México D.F.
MEXIKO
E-Mail: prodh@centroprodh.org.mx

BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN MEXIKANISCHEN STAATEN
S. E. Herrn Jorge Castro-Valle Kuehne
Klingelhöferstraße 3, 10785 Berlin
Fax: 030-26 93 23-700
E-Mail: mail@embamexale.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 26. Dezember 2008 keine Appelle mehr zu verschicken.

RECOMMENDED ACTION: PLEASE SEND APPEALS TO ARRIVE AS QUICKLY AS POSSIBLE, IN SPANISH OR YOUR OWN LANGUAGE:

  • calling for the immediate and unconditional release of the five members of the OPIM;
  • calling for the cancellation of outstanding arrest warrants for ten other members of the OPIM accused of the same crime;
  • urging the authorities to carry out a full and impartial investigation into the murder of Alejandro Feliciano García in order that those responsible for his death be brought to justice;
  • reminding the authorities that the UN Declaration on the Rights and Responsibilities of Individuals, Groups and Institutions to Promote and Protect Universally Recognized Human Rights and Fundamental Liberties recognizes the legitimacy of the activities of human rights defenders and their right to carry out their activities without any restrictions or fear of reprisals.