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Zustände in den Gefängnissen |
| Die systematische und massive Verletzung der Menschenrechte durch grausame, unmenschliche und erniedrigende Verhältnisse in Gefängnissen und Untersuchungshaftanstalten bestätigten sowohl der UN-Ausschuss gegen Folter als auch die russische Generalstaatsanwaltschaft. Häufig behindern wirtschaftliche Schwierigkeiten die Behebung der größten Missstände wie Raumnot, Mangel an Nahrungsmitteln, Hygiene und medizinischer Versorgung sowie Epidemien unter den Häftlingen. Hierunter leiden v.a. viele Untersuchungshäftlinge, die auf Grund der Überlastung der Gerichte sehr viel länger als gesetzlich erlaubt festgehalten werden. Besonders bedenklich sind zudem die verschiedenen an GULag-Praktiken erinnernden Formen von Folter und Misshandlung durch Gefängniswärter, medizinisches Personal oder privilegierte Mitgefangene. Ein Häftling des Moskauer Butirka-Gefängnisses nannte die Zustände in einem Brief die "Hölle auf Erden." (aus dem Länderkurzbericht 2000) |
Der Kampf gegen die Epidemie - wie in russischen Gefängnissen mit Infektionskrankheiten wie Tuberkulose und Aids umgegangen wird
(aus einem Artikel der FAZ, vom 4.7.00 „ Selbst der Himmel
über dem Hof ist vergitter - Ausgrenzung ist keine Lösung, Integration
kein Weg: in Sibirien kämpfen Sozialarbeiter gegen die Aids-Epidemie"
von Elfie Siegl. Zusammengefasst und verändert von Viola Fäßler)
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Russland entlässt seine Häftlinge - mehr als 300 000 amnestiertAnlässlich des 55. Jahrestages des Sieges über Hitlerdeutschland hat das russische Parlament nun etwa 120 000 Häftlinge amnestiert und zusätzlich 200 000 Untersuchungsgefangene die Freiheit geschenkt. Unter die von der Duma Begnadigten (das Oberhaus muss noch zustimmen) fallen Kriegsveteranen, Invalide, schwangere Frauen und ältere Häftlinge - die meisten sitzen wegen leichterer Vergehen ein. Dahinter nur einen staatlichen Gnadenakt zu sehen, wäre angesichts der bestialischen Verhältnisse im russischen Gefängniswesen indes verfehlt: 1,8 Millionen Menschen sitzen hinter Gittern, die Zellen sind überbelegt, Aids und Tuberkulose Alltagskrankheiten.Agenturberichten zufolge sterben jährlich allein etwa 10 000 Haftinsassen an Tbc. Und es gibt ein ausgefeiltes System der Unterdrückung und Gewalt: Privilegierte und besonders hartgesottene Gefangene versklaven die Mithäftlinge mit Billigung der Gefängniswärter, lassen sie für sich arbeiten und missbrauchen sie sexuell. Diese „Pressowtschiki" sorgen für Ruhe in den Zellen, ohne dass die Wärter sich einmischen müssen. [...]Obwohl der Staat pro Häftling täglich nur 67 Kopeken ausgibt - etwa 5 Pfennig -, kosten die Häftlinge den Staat viel Geld. Von der Amnestie verspricht sich das Justizministerium eine Ersparnis von zwei Milliarden Rubel (etwa 150 Millionen Mark). Präsident Wladimir Putin, der als ehemaliger Geheimdienstoffizier ganz eigene Berührungspunkte mit dem Gefängniswesen gehabt haben dürfte, hatte sich schon als Premierminister für eine Modernisierung des Haftsystems stark gemacht. Dazu müsste das Strafgesetz reformiert werden, das ungewöhnlich hart ist und die schnelle Verhängung von Haft vorsieht. Auch Justizpersonal - vom Richter bis zum Wärter - müsste umdenken: nach Angaben des Menschenrechtlers Sergej Schimowolos „betrachtet es Verbrecher schlicht nicht als Menschen". (aus: „Ein Gnadenakt, der zwei Milliarden Rubel bringt"
von Tomas Avenarius von der Süddeutschen Zeitung, Ausg. D München
vom 27.5.2000, gekürzt von Viola Fäßler)
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