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Frauenhandel nach Israel

"Ich wünsche nicht mal meinen Feinden, dass sie das durchmachen, was wir durchgemacht haben!" 

 Frauen der ehemaligen Sowjetunion werden nach Israel in die Sexindustrie gelockt und sind dort Opfer von Menschenrechtsverletzungen


 1997  wurde auf der Internationalen Ratstagung von amnesty international beschlossen, Wege zu suchen, Staaten für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich zu machen, die von nichtstaatlichen Tätern ausgeführt werden. Dazu zählen Themen wie Geschlechtsverstümmelung bei Mädchen, wie auch der transnationale Menschenhandel. Bei derzeit existierenden Berichten handelt es sich um Berichte von „Pilotprojekten", denen noch keine konkreten Aktionen folgen. Der nachfolgende Text ist eine Zusammenfassung von dem ersten amnesty-Bericht zur Menschenrechtssituation von Frauen aus der GUS, u.a. Russland.
Vor allem Menschen aus wirtschaftlich instabilen Staaten, wie den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, lassen sich viel leichter von Verlockungen und Versprechungen besser bezahlten Jobs  und der potentiellen Steigerung des Lebensstandards verführen. Sie sind damit ein einfaches Spiel für Menschenhändler und Schlepperbanden. Noch leichter „verführbar" sind die Frauen der ehemaligen Sowjetstaaten. Eine russische Frau verdient heute weiterhin nur 70% des Gehalts eines Mannes, auch wenn sie die gleiche Stelle oder Qualifikation besitzt. Frauen werden eher in niedrig bezahlte Jobs abgedrängt und werden bei Rationalisierungen schneller entlassen als ihre männlichen Kollegen. Es ist daher keine Überraschung, dass sich russische Frauen nach anderen Möglichkeiten umschauen, im Notfall sogar im Ausland.
Auf diesem Wege landen jährlich Hunderte von Frauen und Mädchen der ehemaligen Sowjetunion in der Sexindustrie Israels und werden dabei sehr oft Opfer von Menschenrechtsverletzungen. Die Frauen werden durch falsche Versprechungen, z.B. einen sehr gut bezahlten Job, nach Israel gelockt oder werden manchmal sogar auch gekidnappt und kommen nach ihrer Ankunft meist direkt in Bordelle. Von ihren Schleppern und Zuhältern werden  sie regelrecht bedroht, eingesperrt, geschlagen und vergewaltigt.
Unter israelischem Gesetz gelten sie als illegale Einwanderer. Damit sind sie völlig machtlos gegen weitere Menschenrechtsverletzungen. Weltweit wird das Phänomen des Menschenhandels von Regierungen fast  ausschließlich im Zusammenhang mit der organisierten Kriminalität verstanden. Die gehandelten Menschen verstoßen damit gegen die Einwanderungs- und Beschäftigungsgesetzgebung und sind damit offiziell ebenso Kriminelle. 

In Israel werden die Frauen oft richtiggehend gekauft und bei „Auktionen" wieder verkauft. Sie werden gezwungen lange Zeit in der Sexbranche als Prostituierte zu arbeiten, da sie weiterhin große Schulden, z.B. für ihr Flugticket, bei ihren „Besitzern" haben. Diese halten die Frauen meist unter menschenunwürdigen Zuständen in Bordellen oder Apartments fest, wo sie ohne Begleitung nie das Haus verlassen, oft sogar gar nicht nach draußen dürfen. Viele erkranken schnell entweder an Geschlechtskrankheiten oder auch an Tuberkulose. Es gibt viele Berichte darüber, dass Frauen gezwungen wurden, mit mehreren Männern am Tag Geschlechtsverkehr zu haben. Ihnen wurde mit Vergewaltigung und anderem sexuellen Missbrauch gedroht, falls sie sich weigerten  mit Kunden zu schlafen. In vielen Fällen wurden den Frauen auch der Pass abgenommen um sie dadurch am Weggehen zu hindern.

Im April und Mai 1999 besuchte eine Delegation von amnesty international unter anderem das Neve Tirza Gefängnis, in dem viele Frauen aus der ehemaligen Sowjetunion im Zusammenhang mit Prostitution einsitzen und auf ihre Abschiebung warten. 

Bei Polizeirazzien in Bordellen werden viele der Frauen inhaftiert und warten in der Haft auf ihre Abschiebung. Manche Frauen sind nur für kurze Zeit im Gefängnis, manche aber werden länger in Haft gehalten, weil das Justizministerium angeordnet hat, dass diese Frauen das Land erst verlassen dürften, wenn sie als Zeuginnen ausgesagt hätten. Viele der Frauen aber haben Angst davor, gegen ihre Zuhälter auszusagen, weil diese ihnen mit dem Tod gedroht haben oder damit sie in Russland wiederzufinden; oder auch weil sie befürchten dadurch zu noch längeren Haftstrafen verurteilt oder abgeschoben zu werden.
Israel ist nach internationaler Menschenrechtsgesetzgebung verpflichtet alle Menschen vor Menschenrechtsverletzungen durch Privatpersonen zu schützen.  Der israelische Regierung ist es aber nicht gelungen ausreichende Maßnahmen zur Prävention, Untersuchung und Strafverfolgung von Menschenrechtsverletzungen zu ergreifen. Israel hat zudem keine Regelung des Asylverfahrens trotz der Ratifizierung der Konvention zum Status von Flüchtlingen von 1951.
Die israelische Regierung hat zwar einige Schritte unternommen Menschenrechtsverletzungen an Frauen aus der ehemaligen Sowjetunion im Zusammenhang mit Frauenhandel und erzwungener Prostitution zu verhindern, insbesondere auf Gesetzgebungsebene, doch reichen diese Maßnahmen bei weitem nicht aus.
So sieht das israelische Gesetz z.Zt. Sklaverei, das Kaufen und Verkaufen von Menschen noch nicht als Straftat. Das Justizministerium sei jedoch daran einen Gesetzentwurf für die Kriminalisierung dieser Vergehen anzufertigen. Im März 2000 hat das israelische Parlament ein Gesetz verabschiedet, das die Gleichheit der Frau vorsieht. Dieses Gesetz soll Frauen vor Gewalt, sexueller Belästigung und Ausbeutung und vor dem Handel mit ihrer Person schützen. Ein Zusatzkommentar zu dem Gesetz sagt aus, dass der Staat für diesen Schutz sorgen müsse.
 

Viola Fäßler
aus: AI Index: MDE 15/17/00 (Mai 2000), von der Russland Kogruppe beziehbar

 

Unter diesen Frauen war auch Anna , eine 31-jährige Physiklehrerin aus St. Petersburg. Sie kam im Oktober 1998 mit einem Touristenvisum nach Israel. Sie wurde unter dem Versprechen gelockt einen Job zu bekommen, bei dem sie US$ 1,000 pro Monat verdienen würde, was ein 20fach höherer Verdienst als ihr Job in Russland gewesen wäre. Der Israeli, der ihr den Job angeboten hatte, machte ihr zwar klar, dass sie in der Sexindustrie arbeiten würde, versprach aber gute Arbeitsbedingungen. Nach ihrer Ankunft wurde ihr der Pass abgenommen und sie wurde in ein Apartment mit sechs anderen Frauen von Ländern der ehemaligen Sowjetunion, geschlossen. Sie wurde bei „Auktionen" zweimal „angeboten". Beim zweiten Mal wurde sie dann für US$ 10,000 verkauft und nach Haifa gebracht. Die Wohnung, wo sie mit zwei weiteren Frauen war, hatte Gitter an den Fenstern und die Frauen durften die Wohnung nur selten verlassen. 
Im März 1999 wurde sie bei einer Razzia der Polizei verhaftet. Vor Gericht sagte die Polizei aus, dass Anna eine Aussage unterschrieben hätte, bei der sie die Beteiligung an Prostitution zugegeben hätte. Dieses Dokument war in Hebräisch geschrieben und Anna hatte keinen Übersetzer. Sie erfuhr später, dass sie wegen Betreiben eines Bordells angeklagt war. Sie wurde für beinahe einen Monat im Haftzentrum Kishon gehalten und wartete auf ihre Abschiebung. Während dieser Zeit war es ihr nicht erlaubt mit dem russischen Konsulat zu sprechen. Der Grund für ihre Inhaftierung war angeblich, dass die Behörden Anna als Zeugin gegen ihren Zuhälter auftreten lassen wollten, doch Anna wurde von den Behörden nie gefragt, ob sie als Zeugin gegen ihn auftreten wolle.
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